Spricht man von Clausewitz, denkt man vor allem an sein Hauptwerk "Vom Kriege", das nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt bekannt ist und zu unzähligen Debatten pro und contra geführt hat. Dass dieses Buch bis heute fast zwanzig Auflagen erlebt hat, spricht für seine Aktualität, läßt aber nicht erkennen, ob jeder, der Clausewitz zitiert, ihn auch verstanden hat. Im Rahmen dieses Porträts kann auf diese Diskussion nicht eingegangen werden, es ist nur Platz für einen kurzen Lebensabriß, der aber möglicherweise zur weiteren Beschäftigung mit dem Werk Carls von Clausewitz anregen könnte. Am 1. Juni 1870 wird der spätere General in Burg bei Magdeburg geboren. Schon im Alter von 12 Jahren tritt er in die preußische Armee ein, der er mit kurzer Unterbrechung bis zu seinem Tode angehört. Seine ersten militärischen Erfahrungen gewinnt er als Fähnrich im Infanterie-Regiment "Prinz Ferdinand" Nr. 34 im Kampf gegen die französischen Revolutionsheere, besonders bei der Belagerung von Mainz. Wie er später schreibt, erlebte er zum ersten Mal den Krieg in seiner Wirklichkeit, zwar ohne ihn zu verstehen, doch als "Totaleindruck".
Seit 1795 Leutnant, besucht er von 1801-1804 die Kriegsschule, wo Scharnhorst nicht nur sein Lehrer ist, sondern trotz des Altersunterschiedes zu seinem Freund wird. Der für Preußen unglückliche Krieg von 1806/07 endet für ihn als Begleiter des Prinzen August von Preußen in französischer Gefangenschaft, aus der er im Oktober 1807 zunächst nach Königsberg, dann nach Berlin zurückkehrte. Er bleibt Adjutant des Prinzen, wird 1809 Hauptmann und arbeitet unter Scharnhorst an der Reorganisation des Heeres mit. Am 19. Juli 1810 wird er in den Generalstab versetzt und am 29. August zum Major befördert. Gleichzeitig erhält er die Heiratsgenehmigung und kann im Dezember dieses Jahres endlich Marie Gräfin Brühl als Gattin heimführen. Es wird eine glückliche Ehe und man kann die Bedeutung von Marie von Clausewitz für das spätere Schaffen ihres Mannes nicht hoch genug würdigen. Die politischen Verwicklungen, die schließlich zum französisch-russischen Krieg führen, veranlassen -neben anderen preußischen Offizieren -auch Clausewitz am 23. April 1812 aus preußischen in russische Dienste zu wechseln. Er spricht nicht russisch, erhält deswegen wohl auch keine angemessene Stellung, ist aber mittelbar an der Konvention von Tauroggen beteiligt -dem Anfang vom Ende der napoleonischen Herrschaft in Europa. Am 22. September 1813 ist Clausewitz Oberst und Generalstabschef in der russisch-deutschen Legion. Im April 1814 wird er als Oberst wieder in das preußische Heer übernommen. Bis 1818 ist Clausewitz dann Generalstabschef bei Gneisenau in Koblenz. Es ist dies wohl die glücklichste Zeit seines Soldatenlebens. Im Jahre 1818 wird Clausewitz unter Beförderung zum Generalmajor zum Direktor der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin ernannt. Er ist enttäuscht, hatte er doch auf ein Truppenkommando gehofft. Man darf aber nicht übersehen, dass diese DienststeIlung auch eine Auszeichnung darstellte, da die Schule doch die bedeutendste Bildungseinrichtung des preußischen Heeres war. Und noch etwas anderes wird oft übersehen: Generalsdienstposten waren nicht gerade üppig gesät und Clauswitz wird mit 38 Jahren General. Gneisenau wurde es mit 52 und Moltke mit 56 Jahren. Da Clausewitz in zehn Jahren fünfmal befördert wurde, kann man kaum von einer „Dutzendkarriere" sprechen. Diese Beförderungen sprechen auch gegen die unbewiesene Behauptung, dass König Friedrich Wilhelm III gegen Clausewitz Vorbehalte wegen seines Übertritts in russische Dienste gehabt hätte. Für die Nachwelt aber war diese DienststeIlung ein Glücksfall, gibt sie Clausewitz doch Zeit und Gelegenheit, sein Werk "Vom Kriege" zu schreiben. Wenn es in seinen Augen auch ein Torso bleibt, setzt er sich damit doch ein bleibendes Denkmal, das ihn bis heute als Soldat und Denker unvergessen macht. Unruhen in Polen bringen ihm 1830 doch noch ein Truppenkommando als Generalstabschef Gneisenaus. Kampfhandlungen bleiben aus, es kommt lediglich zur Bildung eines Kordons gegen die Einschleppung der Cholera. Am 16. November 1831 erliegt General von Clausewitz selbst dieser heimtückischen Krankheit. Marie von Clausewitz veröffentlicht 1832 das von ihrem Mann als "Torso" bezeichnete Werk, an dessen Entstehen sie ohne Zweifel Anteil hat. 125 Jahre ruhte Clausewitz auf dem Militärfriedhof in Breslau. Das sein Grab schmückende Denkmal trug die Inschrift: "Hier ruhet in Gott Carl Friedrich Gottfried von Clausewitz. Königl. General-Major und Inspekteur der Artillerie, geb. den 1. Juni 1780, gest. den 16. November 1831" Und vor dem Kreuz lag eine Marmorplatte mit der Inschrift: "Hier ruhet an der Seite des vorangegangenen geliebten Gemahls Marie Sophie von Clausewitz geborene Gräfin von Brühl. geboren zu Warschau den 3 Juni 1779, gestorben zu Dresden, den 28. Januar 1836." Beim Kampf um die Festung Breslau wurde der Friedhof zerstört und die Gräber verwüstet. Nach dem Kriege ließ die Regierung der DDR die Gebeine von Clausewitz in die Heimat überführen, wo sie an seinem Geburtsort in Burg bei Magdeburg die letzte Ruhe fanden.