Seine Entstehungsgeschichte im 18. Jahrhundert
von Volker Schobeß
Christlich- ethisches Vorbild für den Bau des Militärwaisenhauses war für Friedrich Wilhelm I. (1688/1740) der pietistische Theologe und Pädagoge August Hermann Francke (1663/1727), der in Halle die „Franckesche Stiftung“ (Waisenhaus, Schulen, Seminare) betrieb. Die Errichtung des Potsdamer Militärwaisenhauses war Teil einer vom Soldatenkönig proklamierten neuen Wirtschafts- und Sozialpolitik, wo staatlicherseits mehr Verantwortung für das Gemeinwesen übernommen wurde. Aus dieser Sicht ließ der Reformer Friedrich Wilhelm, so zusagen als politisch soziales Programm, in der Stadt ebenso eine Potsdam/Spandauer Gewehrfabrik, wie eine Tuch- Samt- und Seidenmanufaktur, sowie eine Garnisonschule, das Große Militärwaisenhaus oder verschiedene Kirchen errichten. Alle halbstaatlichen Einrichtungen hatten, nach der streng gehandhabten preußischen Devise von „Soll und Haben“, längstens über wirtschaftliche Unabhängigkeit zu verfügen.
Arbeits- und Erziehungswerk als Stiftung des Soldatenkönigs
„… in welchem allein die Soldatenkinder von Unserer Armee aufgenommen und erzogen werden sollen anerwogen das viele Soldaten ihre Kinder Theils aus Unvermögen Theils aus Sorglosigkeit, so wenig im Christentum, alß welches doch das einzige Mittel ist, wodurch Unterthanen gemacht werden müssen … zu ewigen Zeiten ein Waysen-Hauß vor die Soldaten-Kindere von unserer Armee seyn und bleiben solle, worinnen besagten Kindern im Christenthum, Lesen und Schreiben, auch bei erwachsenen Jahren zu annehmlichen Professionen gebracht… da sie dann wann sie zum H. Abendmahl gegangen, zu ein ihnen gefälliges Handwerk gethan werden …“
Baumaßnahmen
1722-1724 erste Anlage als mehrgeschossiger Fachwerkbau aus Abbruchmaterial errichtet.
1771-1778 Neubau von Karl v. Gontard unter Einbeziehung älterer Teile. Vierflügelanlage, Hauptfront reich gegliedert mit Skulpturen und plastischem Schmuck. Berühmtes spiralförmiges Treppenhaus und Belvedere (Monopteros) mit bekrönender Caritas, 2004 erneuert.
Eigenbewirtschaftung
Landwirtschaft in Grube und Golm, Brauerei und Gut in Bornstedt, Alaunwerke bei Freienwalde, Gold- und Silbergespinstmanufaktur Berlin. Hausinternes Spinnen von Wolle über Erntemaßnahmen in eigenen Maulbeerplantagen. Inspektoren oder Direktoren des Hauses wurden stets Militärs vom Königs-Regiment (No.6), den „Lange Kerls“ des Soldatenkönigs.
Geburtenrate, Todesrate, Belegung
1722 lag die Geburtenrate auf einen Soldaten berechnet bei ca. 1:2,6 Kindern. Hingegen lag die Todesrate 1725 bei 3%. Da die Garnisonstärke zu jener Zeit ca. 2.000 Mann betrug, muß man von ca. 5.000 Soldatenkindern ausgehen, von denen bereits viele zu Waisen zählten. 1724 führte das Militärwaisenhaus 179 Knaben deren Zahl sich von Jahr zu Jahr zu verdoppeln schien, bis schließlich 1740 ca. 1.500 Jungen und Mädchen geführt wurden. Die stärkste Belegung, als Ergebnis der Schlesischen Kriege mit ca. 2.083 Kindern, geht aus dem Jahre 1779 hervor. Mit der kontinuierlichen Belebung der Wirtschaft in Preußen gingen auch die Zahlen bedürftiger Kinder im Waisenhaus zurück. Erst vermehrt unter Friedrich II. wurden Kinder des Hauses als Arbeitskräfte in der Textilbranche eingesetzt.
Speisezettel
Für die Kinder im Waisenhause 1725
Mittag Abend.
Sonntag
Gerstengraupe und Fleisch mit Reis Suppe und Butterstullen
Montag
Dicke Hirse und Ochsengeschling Buchweizengrütze und Butterstullen
Dienstag
Gerstengrütze mit Klippfisch oder Hering Habergrütze und Butterstullen
Mitwoch
Erbsen mit Speck und Brodt Mehlsuppe und Butterstulle
Donnerstag
Wie am Sonntag
Freitag
Dicke Hirse, Milch und Brodt wie Montag
Sonnabend
Habergrütze und Wurst wie Mitwoch
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Des Morgens früh bekommt jedes Kind eine Portion Brodt mit Salz. Die Vorkost wird nach der Jahreszeit, als Kohl, Rüben, u .s. w. regulirt, und ist dies nur ein ohngefährer Üeberschlag.
Gut!
Fr. W.