1837 erging eine Allerhöchste Kabinettsordre des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. zur Errichtung einer Kadettenanstalt in Bensberg bei Köln für den Bereich des VII. Armeekorps (Westfälisches) und VIII. Armeekorps (Rheinisches), die am 3. 10.1840 eröffnet wurde.
Einiges zum Gebäude
Aus vier unter preußischer Verwaltung stehenden Schlössern wurde das auf einem Ausläufer des Sauerländischen Berglandes herrlich gelegene Barockschloß Bensberg vor den Toren Kölns ausgewählt. Erbaut 1706-1711 als Jagdschloß unter Kurfürst Johann Wilhelm II v. der Pfalz, Herzog v. Jülich und Berg. Er ließ das Schloß prächtig ausstatten, aber schon unter seinen Nachfolgern verfiel das Interesse an dem Gebäude. Es diente im 1.Koalitionskrieg (1792-1797) als kaiserliches (österreichisches) Feldlazarett. Unter napoleonischer Herrschaft (1806-1813, Großherzogtum Berg) wurde es zeitweise als Lazarett genutzt. Nach dem Wiener Kongreß (1815) fiel Berg an Preußen; das Schloß diente u.a. als Heilstätte für augenkranke Soldaten.
Einige prägnante Daten aus der Geschichte der Anstalt:
1854 betrug die Sollstärke 200 Mann, gegliedert in 5 Abteilungen. Ab 1857 wurde für die katholischen Kadetten erstmals eine kath. Morgenandacht gehalten. Zu Beginn des Krieges gingen am 14.8.1914 sechsunddreißig Untersekundaner und 49 Obertertianer zur Hauptkadettenstalt (HKA) nach Berlin ab. Sieben für die Armee bestimmte Untersekundaner traten im Oktober 1914 als Leutnants zu ihren Truppenteilen. Von den ehemaligen Bensberger Kadetten fielen und starben infolge Krankheit oder Verwundung in den deutschen Einigungskriegen (1864, 1866, 1870/71) 101, in den Kolonialkämpfen 11, im 1. Weltkrieg 1914-1918 und in der Nachkriegszeit bis 1939 insgesamt 540 Kadetten.
Am 11.11.1918 wurde das Kadettenhaus durch den Arbeiter- und Soldatenrat Köln, "Filiale Bensberg", aufgelöst und die Kadetten nach Hause geschickt, es wurde zunächst von neuseeländischen, später französischen Truppen belegt. 1926 endete die englische Besatzung des Rheinlandes und in linksrheinischen Köln, britische Truppen standen auch in Bergisch Gladbach. Nach Renovierungsarbeiten befand sich von 1935-1945 eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola) im Schloß. 1942 vernichtete ein Brand u.a. das "Kadetten-Erinnerungszimmer" mit vielenwertvollen Stücken.
Ab 1945 wurde das Schloß von belgischen Stationierungsstreitkräften übernommen und diente bis zu ihrer Rückverlegung als Schule bzw. Internat. Ab 1997 umfassend restauriert, ist es heute ein 5-Sterne Grandhotel, in dem während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland die koreanische Mannschaft wohnte.
Aus der Anstalt gingen u.a. hervor:
Bock und Polach, Friedrich Ernst v., *1842 +1915, ab 1853 Kadett zu Bensberg, Generalfeldmarschall und Chef des Infanterie-Regiments "Freiherr v. Sparr" (3. Westfälisches) Nr. 16, Mülheim bei Köln.
Papen, Franz v., *1879 +1969, 1891 Kadett zu Bensberg, Botschafter des Deutschen Reiches, 1932 Reichskanzler.
Seeckt, August Wilhelm v., *1833 +1909, 1845 Kadett zu Bensberg, General der Infanterie, Vater des späteren Chefs der Heeresleitung der Reichswehr, Hans v. Seeckt.