Der Nachlaß von Oberst Werner Heinemann
von Volker Schobeß


„Kaum ein anderes Ereignis des Krieges wirkte sich so verhängnisvoll auf unser Leben aus wie Hitlers unbedachter Entschluß, die Sowjetunion anzugreifen“. So geschrieben im Vorwort des Buches „Die Schlacht um Moskau“ von dem bekannten Militärschriftsteller Janusz Piekalkiewicz (1925-1988).
In diesen Strudel der Geschichte war auch Werner Heinemann geraten, letzter Regiments-Kommandeur vom Infanterie-Regiment 67 (IR 67), daß im Dezember 1941 30 km nordwestlich vor Moskau liegen blieb und auf dem Rückzug verblutete. Werner Heinemann überlebte und kehrte aus dem mörderischen Zweiten Weltkrieg als kriegsblinder Veteran in die Heimat zurück.
Die Tochter des ehemaligen Obersten, Frau Dr. Birgit Heinemann, hat unserem Verein den sehenswerten Nachlaß ihres Vaters als Dauerleihgabe überlassen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Orden und Urkunden der Wehrmacht, insgesamt 62 Exponate. Das vielleicht schönste Stück ist eine Mannschafts-Grenadiermütze vom Grenadier-Garde-Regiment Kaiser Alexander (Nr.1) um 1900. Dieses ansehbare und originale Truppenstück bekam Heinemann am 8. Mai 1942 im Offizier-Kasino der Spandauer Kaserne der 67er als Ehrengeschenk überreicht. Anwesend waren die Überlebenden vom Regiment aus der Winterschlacht von 1941. Von einst über tausend Soldaten kamen nur noch 186 Mann zusammen! Ein weiteres interessantes Schreiben dieser Sammlung diente dieser Zeitschrift als „Historisches Dokument“. Hierbei handelt es sich um einen kameradschaftlich abgefaßten Brief des Divisions-Kommandeurs, Generalleutnant Heinz Hellmich, an den Regiments-Kommandeur, Oberst Werner Heinemann. Hellmich führte die 23. Infanterie-Division (23. ID). In dieser Wehrmachtsdivision waren, nur an Infanterie, das Potsdamer IR 9, das Spandauer IR 67 und das IR 68 (Füsiliere) zusammengefaßt. Am Tage der Einsatzbesprechung, vor dem Angriff auf die Sowjetunion (22. Juni 1941), hatte General Hellmich gegenüber den anwesenden Offizieren eine gewagte Feststellung geäußert: „Meine Herren es ist soweit, der Krieg gegen Rußland beginnt morgen um 3.50 Uhr, aber dieser Krieg ist ein Wahnsinn!“. Diese mündliche Äußerung ist von dem zeitweilig zum Stab abkommandierten Oberzahlmeister Walter Fischer, aus Potsdam, nach Kriegsende bestätigt worden. Nachdem Heinz Hellmich beide Söhne im Krieg verloren hatte, ereilte ihn am 17.6 44 das gleiche Schicksal. Bei der Invasionsschlacht in der Normandie, um die Halbinsel Cherbourg, ist er als einer von 65 Divisions-Kommandeuren der Wehrmacht gefallen. Auf dem Bornstedter Friedhof bei Potsdam erinnert an den Soldatentod Hellmichs und den seiner beiden Söhne eine steinerne Gedenktafel. Hingegen lebte Werner Heinemann bis zum 5.10.1988 in Lübeck, wo er auch seine letzte Ruhe fand.
Nachdem sich erst jüngst die Kameradschaft der 67iger auflöste, kam neben dem Nachlaß Heinemanns auch ein umfangreicher Bestand an Ausrüstungsgegenständen Orden, Büchern usw. von den letzten noch lebenden Mitgliedern in unseren Museumsbestand. Auf diesem Weg an alle Schenker, vielen Dank.
Wer etwas mehr zum Lebensweg und den Kriegseinsätzen von Werner Heinemann erfahren möchte, dem sei das Buch, „Pflicht und Schuldigkeit. Betrachtungen eines Frontoffiziers Im Zweiten Weltkrieg“ empfohlen, ISBN 978-3-8280-2793-0.                                              V. S.