von Heiner Bröckermann
Im August 2007 machte sich eine Gruppe des Fördervereins Militärmuseum Brandenburg-Preußen zu einer dreitägigen Exkursion nach Bayern auf. Genau genommen ging es ja nach Franken, was für Hohenzollern in gewisser Weise ein historisches Heimspiel bedeutet, so eng sind die Bande zwischen Brandenburg und Franken über Jahrhunderte gewesen. Die schon lang gehegte Idee, einmal die bekannte Sammlung der friderizianischen Armee von Bernd A. Windsheimer in Kulmbach zu besuchen, sollte mit einem größeren Rahmenprogramm umgesetzt werden. Zwischenstopp der Hinreise war Altenburg in Sachsen. Die Spielkartenstadt hat auch eine eher unbekannte militärische Vergangenheit. Es war das Verdienst des Heereskundlers Ulrich Schiers mit der dortigen Sonderausstellung „Residenz und Garnison. Das Altenburger Militär im 19./20. Jahrhundert“ in den herrschaftlichen Räumen des Schlosses diese Geschichte einmal aufzubereiten. Die Ausstellung zog auch einen Bogen zu Preußen – hatten doch die letzten Herzöge von Sachsen-Altenburg Ernst I. und Ernst II. beide eine Stellung à la suite bzw. zeitweilige Dienstzeiten im 1. Garde-Regiment zu Fuß.
Am Nachmittag erreichte die Reisegruppe Kulmbach. Auf der dortigen Plassenburg befinden sich neben dem „Armeemuseum Friedrich der Große“ auch das Deutsche Zinnfigurenmuseum, das Landschaftsmuseum Obermain und die Staatlichen Sammlungen mit einem Hohenzollernmuseum. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Festung durch den Wiederaufbau unter Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Ansbach. 1792 kamen Festung und die Stadt Kulmbach sogar kurzzeitig zu Preußen, wechselten jedoch mit dem Frieden von Tilsit 1807 wieder den Besitzer. Bernd Windsheimer führte die Gruppe unseres Vereins durch die von ihm vor einigen Jahren erworbene Sammlung der friderizianischen Armee und berichtete darüber, warum diese preußische Militariasammlung ausgerechnet nach Bayern gelangte. Im Jahre 1991 bot man die Sammlung zuerst den damaligen Staatlichen Schlössern und Gärten in Potsdam an, wurde dort jedoch nicht angekauft und landete schließlich mit Hilfe der Bayerischen Landesregierung an ihrem jetzigen Standort. Nach der Besichtigung des Armeemuseums nutzte man die Gelegenheit, die bekannte Zinnfigurenmesse zu besuchen, die einmal im Jahr für ein Wochenende Gäste aus der ganzen Welt in die fränkische Provinz zieht. Der Name Kulmbach steht aber auch für Braukultur und so wurde es am Abend höchste Zeit für eine zünftige Verkostung fränkischer Spezialitäten im Restaurant Seelöwe. Die preiswerte und gute Unterkunft wurde anschließend im Hotel Goldener Anker in Kasendorf bezogen.
Der zweite Tag galt Ingolstadt. Auf der Hinfahrt dahin wurde eine Rast am Rande Bayreuths, der Residenz der Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, eingelegt. Das dortige Neue Schloss und der Lustgarten Eremitage im Stil des „Bayreuther Rokoko“ stehen für die Blütezeit der kleinen Residenz unter der Schwester Friedrichs des Großen, der Markgräfin Wilhelmine, die auch selbst die Pläne zum dortigen Sonnentempel entwarf. Ein fränkisches Sans-Souci bot sich unserer Reisegruppe. Der Großteil des Tages galt jedoch dem Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Die hervorragende Sammlung vom Spätmittelalter bis in das Zwanzigste Jahrhundert ist in dieser Geschlossenheit einmalig und bietet über die Geschichte der bayerischen Armee viele Bezüge zur europäischen Militärgeschichte. Neben den Uniformen, Dioramen und Waffen des 18. und 19. Jahrhunderts beeindruckte besonders die Darstellung des Ersten Weltkrieges in der Redoute Tilly, einem ehemaligen Festungswerk gegenüber den Hauptabteilungen im Neuen Schloß. Anschließend konnte auf eigene Faust die Innenstadt erkundet werden, in der nach dem bekannten Roman von Mary Shelley einst Dr. Frankenstein sein Handwerk erlernt hat. Trotzdem – es kam niemand beim Stadtrundgang zu Schaden.
Der letzte Tag begann mit der Besichtigung der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein. 1446 waren dort einem Schäfer die vierzehn Nothelfer erschienen. Die heutige Basilika nach dem Konzept Balthasar Neumanns ist kein bloßes Kulturdenkmal, sondern ein regelrechter spiritueller Magnet, was die vielen Pilger und Wallfahrtsgruppen zeigten. Am Mittag erreichte die Gruppe dann Coburg und die dortige Veste. Die Residenz der Herzöge von Sachsen-Coburg-Gotha war wegen der dortigen Rüstkammer als Zwischenziel ausgewählt worden. Alle waren sich aber einig, dass die Stadt in vielerlei Hinsicht einen Besuch lohnt. Wo kann man sonst in so schöner Umgebung auf den Spuren von Martin Luther, der Queen Victoria, ihres Prinzgemahls Albert und des Walzerkönigs Johann Strauß wandeln. Viel Zeit blieb aber nicht. Nach der langen Heimreise über Kronach gelangten alle dank der bewährten Fahrkunst unseres Mitglieds Heinz-Herbert Schoch wieder sicher nach Potsdam. Einhelliges Fazit: Franken ist mehr als eine Reise wert. Man hat viel erfahren, erlebt und auch Dank der fränkischen Küche seinen Urlaub sozusagen mit allen Sinnen genossen.