Die Museumsplanung

von Burkhart Franck

 

Bei der Planung des zukünftigen Militärmuseums Brandenburg-Preußen stand zunächst die Frage des Standorts im Vordergrund. Es lag von vornherein nahe, daß kein Neubau, sondern ein ehemaliges Militärgebäude auszuwählen sein würde, nach Möglichkeit aus preußischer Zeit. Gerade im Land Brandenburg stehen viele, zum Teil sehr schöne Kasernengebäude noch heute leer, unter anderem an so bekannten Standorten wie Wünsdorf, Jüterbog, Döberitz oder Krampnitz.  Unser Förderverein entschied sich gegen diese verlockenden Angebote und für Potsdam. Dies geschah nicht nur wegen der etwas abgelegenen und damit touristisch ungünstigen Standorte der meisten dieser Kasernenanlagen, sondern hauptsächlich wegen der Symbolbedeutung Potsdams als des Inbegriffs der preußischen Garnisonstadt. Auch Berlin und selbst die Zitadelle in Spandau kamen aus diesem Grund (neben finanziellen Gründen) für uns nicht in Frage. Zudem wäre ein preußisches Militärmuseum in Berlin ein Haus unter vielen, während es in Potsdam als eine für die Stadt und ihr Selbstverständnis wichtiger Kulturfaktor von zentraler Bedeutung sein wird.  

Bei der Wahl des Museumsstandorts im Stadtgebiet von Potsdam wiederholte sich die Frage in verkleinertem Maßstab: Zentrum oder Peripherie? Preußische Ziegelsteinkaserne oder neoklassizistisches Wehrmachtsgebäude? Die schönen alten und großen Potsdamer Kasernen waren rasch von der Landesregierung und ihren Ministerien sowie von anderen staatlichen Stellen in Beschlag gelegt worden. Andere verlockende Gebäude wie die Ruinenbergkaserne oder das danebengelegene ehemalige Garnisonlazarett waren für uns finanziell unerreichbar. Gerne wären wir auch in die Gebäude der ehemaligen Garde-Husaren-Kaserne an der Schiffbauergasse gezogen, die zum kulturellen (und „sozio-kulturellen“) Zentrum der Stadt ausgebaut werden. Leider konnten sich die Verantwortlichen eine unmittelbare Nachbarschaft von Szene und Militärmuseum nicht vorstellen, die wir dagegen als reizvoll empfunden hätten.

Da war es ein Glücksfall, daß wir  auf das ehemalige Offizierkasino der Neuen Kriegsschule in Potsdam-Bornstedt stießen. Es hatte der Sowjetarmee als Verkaufsstelle gedient, steht seit der Wende leer, wurde sicherungssaniert und ist in sehr gutem baulichen Zustand. Es liegt zwischen der Pappelallee und dem Reiherweg und damit zwar nicht im Zentrum Potsdams, aber in unmittelbarer Nähe zu den Besuchermagneten Schloßpark Sanssouci, Krongut Bornstedt und BUGA-Park. Damit und mit der unmittelbar am Gebäude gelegenen Straßenbahnstation liegt es verkehrsmäßig und touristisch günstig.

Das Gebäude, das wir im 1. Jahrgang unserer Zeitschrift bereits vorgestellt haben, stammt aus dem Jahr 1935 und ist damit kein typisch preußischer Bau. Aufgrund seiner Größe, seiner Stabilität und seiner Raumaufteilung ist es aber besser für ein Museum geeignet als es jeder ältere Kasernenbau hätte sein können. Es steht nicht unter Denkmalschutz, obwohl es dessen würdig wäre. Wir wollen es aber so behutsam aus- und umbauen, als ob es unter Denkmalschutz stünde, damit seine Substanz, seine Raumaufteilung und sein großzügig-schlichter und gleichzeitig eleganter Charakter möglichst unverfälscht erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden.

Für Ausstellungszwecke stehen in diesem Gebäude zwei Ebenen mit jeweils 500 m² Nutzfläche zur Verfügung. Die Kellerräume in gleicher Größe werden überwiegend als Depot, daneben aber auch zur Unterbringung der sanitären Einrichtungen genutzt werden. Sie werden mit den übrigen Stockwerken durch Treppen und einen Aufzug verbunden sein. Der früher ungenutzte, eindrucksvolle riesige Dachboden wird die Bibliothek und einen Lesesaal, daneben aber auch Verwaltungsräume, eine Werkstatt und eine Hausmeisterwohnung aufnehmen.

Die beiden für die Ausstellung vorgesehenen Hauptgeschosse sind in ihrer Aufteilung fast gleich. Ihr bestimmendes Merkmal ist ein großzügiger, beide Ebenen einnehmender Saal mit Empore, der sehr gut für Vorträge und andere Veranstaltungen und für Wechselausstellungen, aber auch für die ständige Aufnahme besonders großer, repräsentativer Exponate geeignet ist. Um diesen Saal herum gruppieren sich die übrigen Räume so, daß auf beiden Ebenen ein Rundgang möglich ist. Im Erdgeschoß werden die Räume beiderseits des Saals aber nicht für Ausstellungszwecke, sondern auf der einen Seite für Eingang, Garderobe, Kasse und Museums-Shop, auf der anderen für eine Cafeteria mit vielen hohen Fenstern, vorgelagerter Terrasse und Zugang zum Park genutzt werden. Es wird auch möglich sein, den gesamten vorderen Teil des Erdgeschosses mit Eingang, Saal, Cafeteria und allen Service-Räume so abzutrennen, daß er für eigenständige Veranstaltungen wie Vorträge, Tagungen und Seminare  zur Verfügung steht.

Bei der thematischen Ausgestaltung der Ausstellung werden wir uns von wissenschaftlicher und museumsdidaktischer Seite fachlich beraten lassen. In unserer Museumskonzeption haben wir dafür Vorgaben gesetzt. Eine Vorgabe ist, daß die Grundlage der Ausstellung durch Epochenräume gebildet wird, die die wesentlichen Abschnitte der preußischen Militärgeschichte  in chronologischer Anordnung darstellen.  Daneben wird es Themenräume geben, die bestimmte Fragen übergreifend, d.h. in ihrer Wirkung über die gesamte Dauer Preußens, beantworten sollen. Da uns nur ein begrenzter Raum zur Verfügung steht, werden die Themen in diesen Räumen von Zeit zu Zeit wechseln. Überhaupt zwingt uns die räumliche Begrenzung zu einer scharfen Konzentration auf das Wesentliche – dies muß kein Nachteil sein. Nach heutiger Planung wird es 7 Epochenräume und 7 Themenräume geben.

Zuerst aber, nachdem man durch den Eingang und am Shop vorbei in die Ausstellung gelangt ist, steht man in einem großzügig angelegten Orientierungsraum, der die gesamte Breite des Gebäudes einnimmt. Hier wird dem Besucher ein Abriß der gesamten preußischen Militärgeschichte gezeigt und das Leitsystem erläutert, anhand dessen er sich seinen Rundgang durch das Museum festlegen kann. Falls er der Chronologie folgt, wird er die Epochenräume in folgender Reihenfolge aufsuchen:

Die Anfänge

Der historische Einstieg wird das Militärwesen Preußens und Brandenburgs im Mittelalter, den Übergang vom Söldnerheer zum Stehenden Heer und besonders die Einsätze der Armee durch den Großen Kurfürsten zeigen.

Der altpreußische Militärstaat

Dieser Epochenraum soll den Ausbau der Armee und des gesamten Staatswesens zu einem nach damaligen Maßstäben perfekten Instrument in der Hand des Königs darstellen. Schwerpunkt ist die Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I.

Friedrich der Große

Hier sollen die Feldzüge Friedrichs des Großen als Grundlage des Aufstiegs Preußens zu einer europäischen Großmacht gezeigt werden. Schwerpunkt wird die Entwicklung der Taktik, der Operationsführung und der Truppengattungen sein.

Freiheitskriege

Dieser Epochenraum soll die militärischen Ursachen für Preußens Niederlagen gegen Napoleon und die preußischen Reformen als Grundlagen seines Wiederaufstiegs darstellen.

Einigungskriege

Unter diesem Thema werden das Spannungsverhältnis von politischer Erstarrung und militärischem Fortschritt nach 1815, die militärtechnische Entwicklung und die operativen Leistungen der Armee in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 gezeigt werden.

Kaiserreich

Themen der Darstellung sind die Übernahme des preußischen militärischen Vorbildes durch die deutschen Staaten und das teilweise Aufgehen Preußens im Reich, gesellschaftliche Stagnation bei gleichzeitigem rasanten technischen und wissenschaftlichen Fortschritten im Militärwesen sowie Einsatz und Gründe für Erfolge und Zusammenbruch im 1. Weltkrieg.

Traditionslinien

Hier soll gezeigt werden, wie in der preußischen Armee entstandene Formen und Inhalte die Reichswehr, Wehrmacht, NVA und Bundeswehr beeinflußt haben.  Falls der Platz es zuläßt, sollen preußische Einflüsse auf andere Armeen ebenfalls gezeigt werden.

 

Zwischen diesen Epochenräumen werden jeweils Themenräume so angelegt sein, daß der Eindruck einer kompakten Geschichtslektion vermieden wird. Der Besucher kann sich hier eingehend mit einem Thema befassen, das in den vorhergehenden Epochenräumen in allgemeiner Form bereits angesprochen wurde. Dabei sollen zum Beispiel militärische Führerpersönlichkeiten dargestellt werden wie GFM Helmuth v. Moltke (unser Förderverein bewahrt die Exponate der Moltke-Stiftung), technische Entwicklungen wie zum Beispiel die Entwicklung der Fernmeldemittel und ihre Auswirkung auf die operative Führung, grundsätzliche Fragen wie die Entwicklung der Taktik, der Logistik oder eben auch der Führung insgesamt, oder auch geistige und moralische Fragen wie die nach Befehl und Gehorsam, ihren Bedingungen und Grenzen.

 

Wenn der Besucher die Epochen- und Themenräume durchwandert, sich die Sonderausstellung im großen Saal angesehen und in der Cafeteria ein Getränk zu sich genommen hat, lädt ihn das parkähnliche Freigelände zu einem Spaziergang ein. Hier findet er hoffentlich Standbilder von Feldherren vor, Kanonen und anderes Großgerät vergangener Tage sowie all jenes, was wir der Phantasie des Lesers und dem Konto des Fördervereins noch zumuten können. Dies führt uns zu der Frage, wieviel das Museum kostet? Überschlägig gerechnet sind es 0,5 Mio Euro für die Liegenschaft und das Gebäude, 4,5 Mio Euro für den Umbau und 5,0 Mio Euro für eine Stiftung, von deren Ertrag das Museum leben kann. Um insgesamt 10 Mio Euro zusammenzubekommen, müssen wir Investoren finden, für die unser Militärmuseum Brandenburg-Preußen ein sinnvolles Anlageobjekt ist. Allerdings wird bei ihnen auch etwas von der Liebe zu unserer Militärgeschichte erforderlich sein, die wir bei Ihnen, lieber Leser, voraussetzen können.

 

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