Gottlieb Ferdinand Albert Alexis Graf von Haeseler wurde am 19.januar 1836 in Potsdam geboren. Da sein Vater ein Jahr später als Premierleutnant den Abschied nahm und sich auf das Familiengut Harnekop zurückzog, verbrachte der junge Gottlieb dort seine ersten Lebensjahre. Er wurde Kadett und am 3.April 1853 Leutnant im 3.HusarenRegiment. Den Krieg gegen Dänemark erlebte Haeseler als Adjutant des Kommandierenden General des III. Armeekorps, des Prinzen Friedrich Karl, der seine militärischen Fähigkeiten erkannte und ihn nach dem Kriege als Hauptmann im Generalstab des 111. AK Dienst tun ließ. Der Krieg gegen Österreich 1866 fand den Grafen Haeseler wieder an der Seite des Prinzen Friedrich Karl. Und auch während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 kam er als Generalstabsoffizier bei der Zweiten Armee zum Einsatz, die unter dem Oberbefehl des Prinzen stand. Nach der Kapitulation von Metz am 27.0ktober 1870 folgten die zur Zweiten Armee gehörenden Belagerungstruppen den bereits tief in Frankreich stehenden anderen Verbänden. Für Haeseler war die Schlacht von Le Mans wohl der Höhepunkt seiner weiteren Teilnahme an dem Feldzug. Er erhielt nicht nur beide Klassen des Eisernen Kreuzes, sondern auch den Orden Pour-Ie-Merite. Als Oberquartiermeister blieb er bis zu seiner Ernennung zum Kommandeur des Ulanen-Regiments Nr.11 beim Oberkommando der Besatzungsarmee in Frankreich. In dieser Zeit als Regimentskommandeur zeigten sich bei Haeseler zum ersten Mal die Eigenschaften, die seine spätere Tätigkeit als Truppenführer prägen sollten. Er erwies sich als ein hervorragender Ausbilder, eigenwillig, scharf, aber mit viel Verständnis für die Truppe. Sein Hauptaugenmerk galt nicht den damals noch gern gezeigten Kavallerieattacken, sondern den langen Übungsritten bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter, dem Feuergefecht und dem Aufklärungsdienst. Er legte wenig Wert auf stramme Haltung, dafür aber umso mehr auf harten Waffendrill. Er stellte höchste Anforderungen an die physische und psychische Widerstandskraft der Soldaten, immer besessen von der Idee, sie auf die Anstrengungen und die Wirklichkeit des Krieges der Zukunft vorzubereiten. Haeseler störte es wenig, dass seine Ausbildungsmethoden nicht überall auf Anerkenntnis stießen. Sein Motto war: "Die Truppe soll keine Maschine sein, welche versagt, wenn der Maschinist sie nicht mehr leitet, sondern ein aus Persönlichkeiten bestehendes Ganzes, in dem der einzelne im Bewusstsein seines persönlichen Wertes handelt" Auf die Zeit als Regimentskommandeur folgte eine kurzzeitige Tätigkeit als Abteilungschef beim Großen Generalstab. Ab Dezember 1880 führte Haeseler als Brigadekommandeur die 12.Kavalleriebrigade und im darauffolgenden Jahr wurde er zum Generalmajor befördert. Bis zu seiner Ernennung zum Kommandierenden General des XVI. Armeekorps in Metz am 24.März 1890 tat er Dienst als Brigade-und Divisionskommandeur und als Oberquartiermeister im Großen Generalstab. Drei Jahre -bis zum 18.Mai 1903 -führte Haeseler sein Korps und setzte auch in dieser Stellung seine Auffassung von einer kriegsnahen Ausbildung der Truppe kompromisslos durch. Damit geriet er jedoch in einen sachlichen Gegensatz zum Grafen Schlieffen, der kurz nach der Ernennung Haeselers zum Kommandierenden General den Großen Generalstab als Chef übernommen hatte. Schlieffen legte als Vertreter der "angewandten Strategie" Wert auf eine methodische, theoretische Ausbildung und sah im Generalstabsdienst die Krönung des soldatischen Daseins. Demgegenüber betonte Haeseler weniger die operativen Elemente der Führerausbildung, als vielmehr die Probleme der Gefechtstechnik im Einsatz aller Waffen und deren Zusammenwirken. Es war aber nur ein sachlicher, nicht persönlicher Gegensatz, der beide Männer unterschied. Haeseler hielt ganz einfach die Ausbildung auf der Kriegsakademie für zu breit angelegt, weil nach seiner Meinung nur wenige Führer im Krieg in die Lage kämen, operative Entschlüsse zu fassen. Seiner Auffassung nach sollte die Masse der Offiziere den Gefechtswert der Truppe heben, wozu nicht nur Fragen der Truppenausbildung, sondern insbesondere auch Fragen der Taktik der unteren Führung in großen Verbänden gehörten. Bei allen fortschrittlichen Ansichten Haeselers die Ausbildung betreffend, lehnte er, wie viele andere Militärs auch, die Einbeziehung der Technik weitgehend ab. Autos und Motorräder, ja selbst das Maschinengewehr betrachtete er als Spielzeuge. Am 18.Mai 1903 wurde Graf Haeseler als Generaloberst pensioniert und knapp zwei Jahre später -am 1.januar 1905 zum Feldmarschall befördert. Bei Ausbruch des Krieges 1914 erhielt Haeseler infolge seines Alters kein Kommando mehr, aber als Beobachter begleitete er anfangs sein altes Armeekorps. Den im Ergebnis der Grenzschlachten aufkommenden Optimismus der Führung teilte er nicht. Nach der Marneschlacht und dem Übergang zum Stellungskampf sollte seiner Meinung nach der Krieg möglichst schnell beendet werden. Eine weitblickende Auffassung, der sich jedoch niemand anschließen wollte. In den letzten Jahren des Krieges ließen Haeselers körperlichen Kräfte zusehends nach und er zog sich auf sein Gut Harnekop zurück, wo er am 26.0ktober 1919 -kurz nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches -starb.