Kurt Christoph von Schwerin und das Gefecht bei Walsmühlen am 6. März 1719
Dr. Martin Meier

Als der 29jährige König Friedrich II. in Preußen seine erste Schlacht verloren gab und die Mollwitzer Wahlstatt verließ, blieb die  Infanterie und erfocht am 10. April 1741 unter dem Kommando eines gebürtigen Pommern mit gefälltem Bajonett einen glänzenden Sieg. Jener Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten des friderizianischen Preußen. Zahlreiche Darstellungen, Bilder, Erzählungen und Anekdoten halten die Erinnerung an den hervorragenden Offizier wach. Vergessen wird hierbei oft, dass er nicht nur mit dem Waffenhandwerk wohlvertraut war, sondern auch als erfolgreicher Diplomat galt. Und relativ unbekannt blieb auch, dass der Schweriner das erste von ihm geführte größere Gefecht in mecklenburgischer Uniform bestritt.
Das Licht der Welt erblickte Kurt Christoph am 26. Oktober 1684 auf dem kleinen Rittergut Löwitz nahe Anklam in Schwedisch-Pommern. Aus verarmtem adeligen Elternhause stammend, zogen Kurt Christoph und zwei Brüder zum Bruder des Vaters, einem Regimentskommandeur, dessen Truppe sich in niederländischem Solde befand. Sie traten dem Regiment bei, Kurt Christoph hingegen erhielt vom Onkel Geld, um eine gute Schulbildung zu erwerben und anschließend in Leiden, Rostock und Greifswald zu studieren. Der Knabe galt als heller Kopf und war für den diplomatischen Dienst ausersehen. Von Militärs umgeben, bat er jedoch seinen Oheim, im Alter von 17 Jahren gleichfalls Offizier werden zu dürfen und erhielt eine Stelle als Fähnrich. Im Kampf um das Spanische Erbe (1701-1713) sammelte er erste militärische Erfahrungen, nahm an den Schlachten von Donauwörth und Höchstädt teil. Zum Capitain (Hauptmann) befördert, erbat er seinen Abschied, um dem erkrankten Onkel ins Pommersche zu folgen. Dieser starb bald und Kurt Christoph trat am 30. November 1706 in den Dienst Friedrich Wilhelms von Mecklenburg-Schwerin sofort eine Oberstleutnantsstelle erhaltend. Bereits ein Jahr später beförderte der Herzog den fähigen 23jährigen Schweriner zum Oberst. In den Wirren des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) bemühte sich Mecklenburg um ein gutes Verhältnis zu Schweden und so nahm Kurt Christoph an der Gadebuscher Schlacht (20. Dezember 1712) in unmittelbarer Nähe des kommandierenden schwedischen Feldmarschalls Magnus Stenbock teil. Dieser bat sich vom Herzog den mecklenburgischen Oberst für eine besondere diplomatische Mission aus: die sichere Verbringung geheimer Korrespondenzen zu dem in der Türkei weilenden Karl XII. Zehn Monate blieb Kurt Christoph in unmittelbarer Nähe des legendären Schwedenkönigs.
Ins Herzogtum Mecklenburg-Schwerin heimgekehrt, fand er dort gänzlich geänderte politische Verhältnisse vor. Nach dem Tode des alten Landesherrn war dessen Sohn Karl Leopold zur Regierung gelangt, ein Bewunderer Karls XII., ebenso ungestüm, herrschsüchtig und diplomatisch ungeschickt wie dieser. Um ein absolutistisches Regiment führen zu können und dem Durchmarsch fremder Truppen nicht schutzlos gegenüber zu stehen, forcierte er den Aufbau eigener Streitkräfte. Er heiratete eine Halbnichte Zar Peters I. und übernahm zwei russische Regimenter sowie zwei Grenadierkompanien, insgesamt etwa 3300 kampferfahrene Soldaten. Binnen kürzester Zeit gelang es ihm, das mecklenburgische Heer auf die beachtliche Stärke von 12 000 Mann zu bringen. Die  zu diesem Zwecke den Ständen aufgebürdeten hohen Lasten riefen deren Widerstand hervor, den Karl Leopold mit einer Gewalt zu unterdrücken trachtete, die oft ins Grausame abdriftete. Rostocker Ratsherren ließ er einsperren und den Raum solange beheizen, bis diese seinen Forderungen nachkamen. Entlaufende Leibeigene nahm er ins Heer auf und quartierte sie in genau die Güter ein, von denen sie stammten. Zudem verlangte er von jedem Adeligen einen gesonderten Eid. Wer ihn verweigerte, wurde zum Rebellen erklärt, sein Besitz beschlagnahmt und des Landes verwiesen. Ein Teil des Adels sah sich veranlasst, Mecklenburg den Rücken zu kehren. Infolge der anhaltenden Repressalien häuften sich die Klagen der Ritterschaft am Wiener Hofe und fanden dort in zunehmendem Maße Gehör. Bisweilen trat in den Beschwerden auch der Name Kurt Christophs von Schwerin auf. Dieser war nach seiner Rückkehr aus dem Osmanischen Reich zum Generalmajor und Oberkommandierenden der mecklenburgischen Verbände avanciert.
Da der Schweriner Herzog sämtliche kaiserliche Mandate, die ihn zur Beendigung seiner Gewaltmaßnahmen gegen den Adel aufforderten, unbeachtet ließ, verfügte  Karl VI. 1716 eine Reichsexekution, mit deren Umsetzung er die Häuser Hannover und Braunschweig-Wolfenbüttel beauftragte. In den Tagen vom 25. Februar bis zum 3. März 1719 überschritt der hannoversche General Josua von Bülow mit 7000 Infanteristen und 2000 Kavalleristen die mecklenburgische Landesgrenze. Dass der Herzog nun doch einlenkte und sich jeder weiteren Drangsalierung seiner Stände zu enthalten versprach, stieß auf taube Ohren. Generalmajor Schwerin marschierte zur Elbe, fand jedoch Boizenburg bereits besetzt. Hieraufhin erhielt er von Karl Leopold Weisung, sich auf Schwerin zurückzuziehen und sich jeder Feindseligkeit gegen die Exekutionstruppen zu enthalten.
Etwa zwölf Kilometer westlich vom heutigen Stadtrande Schwerins liegt der Dümmersee. In diesen mündet die Sude. Südlich jenes Sees befindet sich der kleine Ort Parum. Von ihm ausgehend, die heutige Landstraße L 42 in Schwerin folgend, lehnt sich das Dörfchen Walsmühlen an die Sude.
Am 6. März 1719 spät abends marschierte das mecklenburgische Heer an Parum vorbei. Die Aufklärung meldete ein hannoversches Dragonerregiment in der linken Flanke unmittelbar bei Parum. Da der Gegner jedoch nichts gegen die Mecklenburger unternahm, ordnete Schwerin den Weitermarsch an. An der Sude bei Walsmühlen angelangt, fand er ein kleines Kontingent, das er dort zur Bedeckung der Brücke belassen hatte, vertrieben und die Brücke selbst abgebrochen. Das Feld am gegenüberliegenden Ufer war aufgrund des hellen Mondlichtes in sternenklarer Nacht hervorragend zu überblicken. Dort stand in voller Gefechtsformation ein gegnerisches Regiment unter dem Oberst d´Alleur. Schwerin sandte Parlamentäre und erbat den Durchmarsch. Als d´Alleur dies verweigerte, bemühte sich der mecklenburgische General persönlich. In Begleitung einiger Russen begab er sich zum Fluß. Dort empfing ihn eine Gewehrsalve. Fünf Russen starben, ein Geschoss durchbohrte Schwerins rechtes Schienbein. Da die übrigen Russen das Geschehen verfolgten, begannen sie sofort selbständig mit dem Angriff. Ein Müller wies eine unbekannte Furt. Die russischen Truppen setzten über und nahmen im Rücken des Gegners Gefechtsformation ein. Schwerin sandte eine weitere Abteilung, die die Exekutionstruppen direkt anging und ihn so zwischen zwei Fronten brachte. D´Alleur wurde schwer verwundet, sein Regiment völlig aufgerieben, die Fahne sowie einige Gefangene fielen in mecklenburgische Hand. Sofort bemühte sich der 33jährige kommandierende Schwerin, die übrigen Truppen über die Sude zu ziehen. Hierzu wurde die Brücke wiedererrichtet. Jenes Regiment, dass man bei Parum zuerst erblickte, war unterdess´ durch den Gefechtslärm aufmerksam geworden, heranmarschiert und griff sofort die noch westlich der Sude stehende Nachhut an. Schwerin sammelte unter eigener Führung zwei Peletons (Züge) Infanterie und wies den Angriff ab. Die übrigen Kräfte forcierten nun die Sude und die Brücke wurde wieder abgebrochen. Als Schwerin den Weitermarsch befahl, erfuhr er, dass Bülows Verbände sich in unmittelbarer Nähe befänden. Sofort ließ er die Infanterie zur Linie formieren. Bülow attackierte mit acht Schwadronen den linken Flügel seines Gegners, bevor dieser geordnet stand. Ohne jeden Erfolg. Wieder waren es die russischen Verbände, die den Angriff abwiesen. Bülow wagte keine neue Aktion, sondern zog sich nach Wittenburg zurück. Generalmajor Kurt Christoph von Schwerin marschierte ungehindert in die Hauptstadt des Herzogtums ein und erhielt dort Post von seinem Gegner. Wie er es habe wagen können, Truppen anzugreifen, die im Auftrage des Kaisers operierten. Aber er sei ohnehin schon gestraft durch die Niederlage, die ihm Bülow beigebracht. In der Tat blieb der Erfolg des Schweriners auf dem Schlachtfeld folgenlos. Herzog Karl Leopold befahl den weiteren Rückzug.
Im Stockholmer Frieden vom 1. Februar 1720 wurde das bereits seit 1715 in preußischer Hand befindliche südlich der Peene gelegene Vorpommern dauerhaft Preußen zugesprochen. Kurt Christoph von Schwerin wurde somit zum Untertanen des preußischen Königs, der ihn bat, in seine Dienste zu treten. Schwerin nahm an und avancierte 1740 zum Feldmarschall. Zudem erhob ihn Friedrich II. in den Grafenstand. Als er schließlich in der Schlacht bei Prag Anfang Mai 1757 fiel, verlor der Preußenkönig nicht nur einen seiner fähigsten Generale sondern auch einen für das damalige Offizierkorps ungewöhnlich gebildeten Mann.
Jenes Gefecht bei Walsmühlen, in dem er erstmals als hoher Truppenführer auftrat, war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Einen Flussübergang mitten in der Nacht gegen einen voll formierten Gegner vorzunehmen, die Umfassung desselben und zügiges Einnehmen der Gefechtsformation vor dem zweiten gegnerischen Angriff stellen für die damalige Zeit außergewöhnliche militärische Leistungen dar.