Preußische Kadetten                                                              

von Volker Schobeß

 

Der in Potsdam ansässige Förderverein Militärmuseum Brandenburg-Preußen e. V. erregte erst jüngst wieder mit seiner Edition: "Preußische Kadetten" die Aufmerksamkeit vieler Berliner Preußenfreunde. Die Sonderausstellung lief bereits mit großem Erfolg im brandenburgischen Wustrau, in Pritzwalk, in der Uckermark und in Annaburg, Sachsen/Anhalt, sowie im Preußenmuseum in Wesel und Minden. Insgesamt konnten mehr als fünfzehntausend Besucher gezählt werden. Weitere Interessenten für die Ausstellung sind das Zentrum für innere Führung in Koblenz und ab Juli 2008 findet die Ausstellung in der alten Garnison- und Residenzstadt Potsdam statt.

Bei der Betrachtung des Werdeganges des preußischen Kadettenwesens fällt im Vergleich zu anderen europäischen Mächten damaliger Zeit der früh ausgeprägte Fortschrittsgedanke in Preußen ins Auge. Eine ganz eigene Bildungs- und Militärkultur, die in den gesellschaftlichen Strukturen des Landes eingebettet war, spiegelte schon im 18. Jahrhundert den frühmodernen Staat wider. Darin eingeschlossen die erstmals unter Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) im Jahre 1717 eingeführte Allgemeine Schulpflicht. Dabei waren die sittlichen und religiösen Vorstellungen des Herrschers stark vom Pietismus eines August Hermann Franke beeinflußt. Obwohl die Anfänge des Kadettenwesens im Zusammenhang mit der Errichtung Stehender Heere zu sehen ist, und bis in die Zeit brandenburgischer Kurfürsten reicht, ist der Bau von Kadettenanstalten für die Heranbildung des preußischen Offiziernachwuchses erst in der Zeit Friedrich Wilhelm I. zu suchen.

Im Jahre 1717 errichtete der Soldatenkönig die erste Anstalt in Preußen. Zuerst nur für Kinder armer Edelleute gedacht, standen die Kadettenanstalten später auch bürgerlichen "Kindersoldaten" offen. Sie boten ihnen eine profunde Schulbildung, militärische und charakterliche Erziehung und die Vermittlung christlicher und vaterländischer Werte. Erziehung und Ausbildung erfolgten nach damals fortschrittlichen Grundsätzen. Die Anerziehung eines neuen Ehrverhaltens gelangte unter der Herrschaft Friedrich Wilhelm I. und Friedrichs des Großen (1712-1786) zur höchsten Blüte. In der geschichtlichen Entwicklung wurde dem Kadettenwesen nicht nur Disziplin und Fleiß abverlangt, auch die Heranbildung von Führungseigenschaften nach den Grundsätzen der Selbst- und Kameradenerziehung spielten eine immer größere Rolle.

Im Verlauf der Heeresvermehrungen im 19. Jahrhundert entstanden in Preußen immer neue Kadettenanstalten. Nach der Reichseinigung von 1871 erfuhr das Kadettenwesen eine neue Qualität. Anfang des 20. Jahrhunderts zählte das Kadettenkorps insgesamt zehn Vor- und eine Hauptanstalt in Berlin-Groß-Lichterfelde (HKA). Die Kadettenausbildung dauerte in der Regel vom 10. bis zum 17. Lebensjahr und entsprach einer Realschulbildung mit zusätzlichen militärischen Anteilen. Die ersten fünf Jahre verbrachte der Kadett in einer Voranstalt, die beiden letzten Jahre in Berlin. Dort wurde er zum Unteroffizier befördert. Den Abschluß bildete das Fähnrichexamen mit der Primareife. Etwa 80% gingen in die Truppe und wurden dort zu Fähnrichen befördert. Die leistungsstärksten 20% blieben noch ein weiteres, drittes Jahr an der HKA und gingen nach dem Abitur als Leutnante ab. Nach dem Ausbildungsabschluß mit der Gymnasialreife begann für die Kadetten in der Regel der Aufstieg in die militärische Elite des Kaiserreichs. Nach 1918 stiegen viele ehemalige Kadetten zu hohen zivilen Positionen auf. Im Jahre 1919 wurden die Anstalten in zivile Schulen umgewandelt, nach 1933 in nationalpolitische Erziehungsanstalten umfunktioniert.

 

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